Erklärung
der Bürgerinitiative
„Solingen gehört uns“
zur weiteren Arbeit
Wir danken den mehr
als achttausend BürgerInnen dieser Stadt für ihre Unterschrift unter unser Bürgerbegehren.
Das
war ein beachtlicher Erfolg den die Aktiven der Bürgerinitiative „Solingen
gehört uns“ mit großem Engagement organisiert haben. Die BürgerInnen dieser
Stadt haben sehr wohl verstanden, was wir mit unserem Bürgerbegehren konkret
erreichen wollten. Deshalb haben Sie uns auch in dieser großen Zahl unterstützt.
Eine Mehrheit im Rat unserer Stadt, die unser Bürgerbegehren, weil es angeblich
nicht konkret genug und zu allgemein gewesen wäre, abgelehnt hat, verhinderte,
dass der Bürger über die gestellte Frage selbst entscheiden kann. Dies ist ein
Armutszeugnis, welches sich die Große Koalition selbst ausstellt und spricht für
sich und deren Angst vor dem Urteil der BürgerInnen über ihre neoliberale
Privatisierungspolitik.
Mit
der Arbeit unserer Bürgerinitiative wollen wir auch weiter positive Beispiele
gegen Resignation und politisches Desinteresse geben.
Dass wir uns dazu entschlossen haben, gegen die per Mehrheit von CDU, SPD
und FDP im Stadtrat unterstellte Unzulässigkeit unseres Bürgerbegehren, nicht
den gerichtlichen Klageweg einzuschlagen, hat mehrere Gründe:
·
Erstens
hätte
diese juristische Auseinandersetzung mehr Geld gekostet als wir zur Verfügung
haben oder hätten auftreiben können.
·
Zweitens
hätte
diese juristische Auseinandersetzung über eine lange Zeit einen großen Teil
unserer Kraft gebunden, die wir viel effektiver in konkrete politische Aktivitäten
und Auseinandersetzung vor Ort investieren wollen.
·
Drittens
versprechen
wir uns mehr davon, gegen solche unwirtschaftlichen und finanziell nicht zu
verantwortenden Privatisierungsprojekte wie dem Rathausneubau, u. a. auch
juristisch, vorzugehen. Weil wir als Bürgerinitiative nicht dagegen klagen können,
aber Ratsfraktionen dazu berechtigt sind, begrüßen und unterstützen wir die
Entscheidung der grün-offenen Ratsfraktion entsprechende Klagen zu prüfen und
ggf. einzureichen.
·
Viertens
wären
wir gerne – gemeinsam mit dem Oberbürgermeister und der Stadt Solingen –
gegen die gemeinsam als unzureichend eingeschätzten landesrechtlichen Chancen
und Bedingungen für Bürgerbegehren rechtlich und politisch vorgegangen.
Allerdings haben wir auf unser diesbezügliches Angebot an die Stadt und den
Oberbürgermeister keinerlei positive Resonanz erhalten. Deshalb wiederholen wir
unser Anliegen an dieser Stelle nochmals.
In
diesem Zusammenhang bedanken wir uns beim Deutschen Gewerkschaftsbund, dem
Katholischen Bildungswerk, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in
Solingen und dem Club 122 für die bisher so erfolgreiche gemeinsame
Vortragsreihe.
Aus
der Unterschriftensammlung zum Bürgerbegehren gegen die weitere Privatisierung
der kommunalen Daseinsvorsorge ist die Bürgerinitiative „Solingen gehört
uns“ entstanden. In diesem Zusammenhang werden wir uns weiter mit Aktionen und
Informationen in die Politik einmischen.
Dabei hoffen
wir weiterhin auf die Unterstützung von immer mehr BürgerInnen, Organisationen
und Parteien, die unsere Anliegen unterstützen ,
und laden sie
herzlich ein zu unserem nächsten Großen Treffen am Montag dem
20. April 2009, um
18.30 Uhr, Gaststätte Birkenweiher, Birkerstr. 37, 1. Stock.
Beschluss der
Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative am 08.12.2008
Kontaktadresse:
Edgar Scharmann, Sedanstr. 31, 42719 Solingen
Historie
Bürgerbegehren „Solingen gehört uns“
Ein erster Schritt war am Montag, den 26. Mai 2008 um 11.00 Uhr geschafft:
Rathaus Cronenberger Str.
Übergabe der 8000 Unterschriften an Oberbürgermeister Franz Haug.
UWE VETTER von der Solinger Morgenpost berichtet am letzten Maiwochenende 2008:
8000 Unterschriften für Bürgerbegehren
Solingen (RP) Die Bürgerinitiative „Solingen gehört uns“ wird kommenden Montag Oberbürgermeister Franz Haug rund 8000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen die weitere Privatisierung kommunalen Eigentums übergeben. Dies kündigte gestern der Sprecher der Initiative, Prof. Dr. Jörg Becker, an. Übergeben werden darüber hinaus eine rote und eine schwarze Rose, wobei die schwarze Rose für Trauer steht und was an kommunalem Eigentum bereits veräußert worden ist. „Wir stehen am Scheideweg, es muss Schluss gemacht werden mit der Privatisierung kommunalen Eigentums“, fordert Becker, gleichzeitig auch Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Die rund 8000 Unterschriften werden beziehungsweise wurden vor der Abgabe nochmals überprüft. Gerechnet wird mit einem Schwund von zehn Prozent. „Wir brauchen 6300 Unterschriften für das Bürgerbegehren, die haben wir zusammenbekommen“, sagte Becker gestern bei einem Pressegespräch. Sind die Unterschriften übergeben, sei es an der Stadtverwaltung, zu überprüfen, ob das Quorum erreicht wurde. Die Bürgerinitiative hat vorsorglich alle Unterschriftenlisten kopiert, um nachvollziehen zu können, welche Unterschriften gültig sind oder ungültig sein könnten. „Danach muss von der Stadt entschieden werden, ob das Bürgerbegehren juristisch stimmig ist“, erklärt Becker zur weiteren Vorgehensweise. Sollte dies negativ beschieden werden, wolle die Bürgerinitiative dagegen klagen. „Kommt es in den Stadtrat hinein und wird dort unterstützt, dann wäre das für uns ein politischer Erfolg“, sagt Becker. Hat die Bürgerinitiative „Solingen gehört uns“ damit keinen Erfolg, dann will sie dagegen juristisch vorgehen. Weiterer Weg wäre dann nach drei Monaten, „in den Bürgerentscheid hineinzugehen“, erklärt Becker. Dann müssten alle Wahlberechtigten darüber entscheiden. Jörg Becker geht davon aus, dass dies im Oktober oder November der Fall sein könnte.
Diese Frage wird im Bürgerentscheid gestellt:
„Soll die Stadt Solingen es in Zukunft unterlassen, Anteile an Gesellschaften im Bereich der Daseinsvorsorge an Private zu übertragen?“
Begründung:
Die Einrichtungen der kommunalen Daseinsvorsorge, dazu gehören die Versorgung mit Energie und Wasser, der öffentliche Personennahverkehr, das kommunale Straßen-
und O-Busnetz, die Entsorgung von Abfällen, die Stadtentwässerung, die Stadtbücherei, die Volkshochschule und die Musikschule müssen im kommunalen Eigentum
verbleiben und den Interessen der Allgemeinheit dienen. Sie dürfen nicht zum Objekt privater Gewinnmaximierung werden.
Trotz gegenteiliger Beteuerungen schwebt nach wie vor über weiten Bereichen der kommunalen Daseinsvorsorge unserer Stadt das Damokles-Schwert der Privatisierung. Mit der Teilprivatisierung der Stadtwerke wurde bereits ein elementarer Bereich unseres öffentlichen Eigentums, das Generationen von Bürgern dieser Stadt aufgebaut, erhalten und vermehrt haben, teilprivatisiert. Die Prognosen und Verheißungen, mit denen die Notwendigkeit dieser Verkäufe begründet wurde, erwiesen sich im Nachhinein als falsch.
Deshalb halten sich zurzeit die „Ausverkäufer“ des Bürgerbesitzes mit weiteren Privatisierungsplänen zumindest öffentlich noch zurück. Aber auch hier ist aufgeschoben nicht aufgehoben. Bestes Beispiel ist das Städtische Klinikum. Zwar werden hier Privatisierungsbestrebungen bestritten, aber alle von CDU und SPD durchgesetzten Veränderungen
in der Organisation und Rechtsform haben eines gemeinsam: Sie beseitigen Schritt für Schritt die Hindernisse, die einer Privatisierung im Wege stehen könnten!
Zahlreiche Beispiele auch aus anderen Städten zeigen, dass Privatisierung zwar kurzfristig Geld in die klammen Kassen der Kommunen bringt, mittel und langfristig aber
bedeutend teurer wird und den Städten die eigene Handlungsfähigkeit nimmt.
Die Folgen der Privatisierung sind in der Regel:
· Qualitäts-, Angebots- und Serviceverschlechterungen bei gleichzeitiger Verteuerung der Leistungen,
· Abbau von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen, Lohneinbußen mit der Folge schwindender Kaufkraft und zusätzlichen Sozialleistungen auf Kosten der Kommunen,
· Schwächung der lokalen und regionalen Wirtschaft, insbesondere der mittelständischen Betriebe,
· Verschlechterung der Versorgung und Betreuung im Gesundheitswesen und der Altenpflege.
Kostendeckungsvorschlag:
Wenn das städtische Eigentum erhalten bleibt stehen dessen Erträge weiterhin der Stadt Solingen in vollem Umfang zu, so dass die haushaltswirtschaftliche Situation der Stadt Solingen nicht verschlechtert wird. Durch Optimierungen in den Unternehmen mit öffentlicher Beteiligung kann eine viel nachhaltigere Haushaltsverbesserung erreicht werden als durch die Einmal-Effekte bei weiteren Verkäufen kommunaler Betriebe.
Wir brauchen Ihre tatkräftige Unterstützung, insbes. durch Spenden an:
Verein zur Erhaltung u. Förderung der kommunalen Daseinsvorsorge e.V.
Konto-Nr. 1165075 – Stadtsparkasse Solingen (BLZ 3425000)
Spendenquittungen können ab einem Spendenbetrag von 50,-€ ausgestellt werden.-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Anfrage zur des Ratssitzung am
11. September 2008:
Betrifft: RathausneubauSehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
gemeinsam mit der Bürgerinitiative „Solingen gehört uns“, welche einen Bürgerentscheid zu der Frage „Soll die Stadt Solingen es in Zukunft unterlassen, Anteile an Gesellschaften im Bereich der Daseinsvorsorge an Private zu übertragen?“ anstrebt, sind wir - und von der Bürgerinitiative beauftragte Experten - auf zahlreiche „Ungereimtheiten“ beim Rathausprojekt gestoßen. Wir bitten diesbezüglich um eine schriftliche Beantwortung unserer nachfolgenden Anfragen bis zur nächsten Ratsitzung am 11. September 2008.
Hier können Sie den genauen Wortlaut der Anfrage von FBU und Grünen nachlesen und herunterladen!